Meldung vom 28.11.2025
Basketball Austria: Starlin, du giltst seit Jahren als großes heimisches Talent, hast dich beim Welser Farmteam, den Upper Austrian Ballers, und mit sporadischen BSL-Einsätzen hochgearbeitet. Heuer klappt es mit der fixen Rolle im Team. Wieso ausgerechnet jetzt, wo ihr das vielleicht tiefste Team der Liga seid und die Tabelle mit Gunners und Dukes anführt? Was ist heuer anders, dass du plötzlich so wichtig bist für deine Mannschaft?
Starlin Inoa Gil: Ich hatte mit dem Teamvorstand ein Meeting, bei dem wir über meine Weiterbildung gesprochen haben. Geplant war, dass ich letztes Jahr schon mehr Verantwortung übernehme, aber leider habe ich mich verletzt und als ich zurückkam, hatte ich es mit Damion Rosser und Radi Caisin – zwei MVP-Kandidaten auf meiner Position – nicht leicht. Ich habe die Situation sofort angenommen und weiter hart gearbeitet. Somit konnte ich Vertrauen von meinem Coach gewinnen und jetzt eine größere Rolle ausfüllen.
Du hast in der noch recht jungen Saison bereits mehrfach zweistellig gescort, triffst fast 40 Prozent vom Dreier. Ihr spielt so schnell und aggressiv – ein vielseitiger Forward, der innen und außen scoren kann, ist da Gold wert. War es ein Fokus von dir/eurem Coaching-Staff, dass du offensiv heuer den nächsten Schritt machst? Wie siehst du denn deine Rolle in der Mannschaft?
Ja, es war auf jeden Fall ein Ziel, offensiv den nächsten Schritt zu machen. Meine Rolle ist, dass ich extrem viel Energy mitbringe, sehr physisch spiele – sei es am Rebound oder beim Sperren-Setzen – und dass ich meine Würfe, an denen ich täglich arbeite, im Spiel nehme.
Woran hast du im Sommer generell gearbeitet? Was wurde in deinen Augen besser, wo ist noch Luft nach oben?
Ich habe wieder extrem viel Fokus auf meinen Wurf gelegt, da ich ein paar Sachen umstellen musste. Auch im Kraftraum wurde extrem viel gearbeitet. Ich habe im 3x3 defensiv von meinem Coach, der den “Defensive-Player-of-the-Year”-Award in der BSL gewonnen hat (Wels-Kapitän und 3x3-Nachwuchs-Nationaltrainer Christian Von Fintel, Anm.), dazugelernt. Dementsprechend habe ich die Kleinigkeiten mit dem Wurf hinbekommen, in der Kraftkammer konnte ich Gewicht draufpacken – um genau zu sein sechs Kilo. Ich musste mich zuerst zurechtfinden, da man am Feld merkt, dass man schwerer geworden ist. Dafür bin ich natürlich stärker und stabiler geworden. Defensiv habe ich theoretisch viel mitgenommen. Ich versuche und lerne gerade, es praktisch umzusetzen, und würde auch sagen, dass das der nächste Schritt sein wird – und ich das ebenfalls hinbekomme.
Wie zufrieden bist du mit eurer Teamleistung bisher? Die Tabelle spricht natürlich für sich, ihr wart aber auch vergangene Saison in der Regular Season extrem stark und dann hat es nicht gereicht. Ist euch gegen Ende ein bisschen die Luft ausgegangen? Wie wollt ihr verhindern, dass das heuer erneut passiert?
Mit der Teamleistung bin ich sehr zufrieden, wir arbeiten hart, bereiten uns auf die Spiele echt gut vor und haben eine sehr gute Teamchemie. Ich würde nicht sagen, dass uns die Luft ausgegangen ist. Eisenstadt hat extrem gut gespielt. Das haben sie in der Serie nach uns ebenfalls bewiesen. Meiner Meinung nach waren sie einfach bereiter als wir und als sie gesehen haben, dass sie eine Chance haben, haben sie auch nicht gezögert und angegriffen. Ich denke, sie haben die Sachen extrem gut gemacht, die nicht am Papier stehen. Ob man so etwas verhindern kann, weiß ich nicht. Ich würde sagen, wir müssen von der ersten Sekunde an bereit sein – egal, was auf uns zukommt. Und das werden wir auch sein.
Ihr seid bei den Teamstatistiken (PPG, RPG, APG, SPG) fast überall ganz vorne dabei, nur die Dreierquote ist ausbaufähig. Bekommt ihr da nicht die Würfe, die ihr wollt? Sind die Dreier bisher einfach nicht gefallen oder fehlen euch heuer bei den Teamleadern echte Shooter?
Ich denke, es liegt gerade daran, dass wir den Ball etwas früher zu den freistehenden Werfern bringen müssen und wir besser lesen müssen, ob jetzt wirklich ein Wurf da ist. Unsere Wurfauswahl hat noch etwas Spielraum, aber das kommt auch noch. Unsere Aufbauspieler machen einen echt guten Job. Wir müssen einfach über gewisse Situationen genauer reden und klarstellen, was sich jeder denkt – ob jetzt der Wurf da war oder nicht. Shooter haben wir, ich sehe es täglich im Training. Ich würde sagen, es ist die Arbeit vor dem Wurf und die Wurfauswahl.
Du vertrittst Österreich auch immer wieder im 3x3. Hast du das weiterhin vor? Und profitierst du davon auch im 5-gegen-5?
Es ist mir jedes Mal eine Ehre, Rot-Weiß-Rot zu tragen – egal ob im 5-gegen-5 oder im 3x3. Auf jeden Fall freue ich mich über jede Einberufung und gebe mein Bestes, Österreich zu repräsentieren. Ich profitiere auf jeden Fall vom 3x3, auch wenn das Spiel komplett anders ist und sich viele taktische Regeln unterscheiden. Es ist die Härte und die Ausdauer, die es im 3x3 braucht – das ist ein Wahnsinn. Es ist extrem viel Kontakt erlaubt und es wird mittlerweile echt schnell gespielt. Das hilft mir natürlich für den Fullcourt enorm.
Abschließend noch etwas persönlichere Fragen: Du hast Wurzeln in der Dominikanischen Republik und bist im Sommer immer noch hin und wieder dort. Wie ist die lokale Basketballszene? Hast du dort schon gespielt? Was ist anders, was konntest du mitnehmen? Wäre es eine Option, dort einmal professionell zu spielen?
Meine Eltern sind beide in der Dominikanischen Republik geboren. Mein Vater war dort auch als Profibasketballer unterwegs. Die lokale Basketballszene ist extrem – die Hallen sind voll mit bis zu zwölftausend Zuschauern, die alle extrem Stimmung machen. Ich habe noch nie professionell in der Dominikanischen Republik gespielt, aber als ich im Urlaub war, durfte ich dort mit einem U22-Team mit den Besten der Stadt mittrainieren. Sie waren alle extrem freundlich und arbeiten sehr hart. Ich habe dort auch einen Trainer der Mannschaft zur Verfügung gestellt bekommen, damit ich abseits vom Training individuell arbeiten kann.
Ich würde sagen, dass es in der Dominikanischen Republik etwas unkontrollierter zugeht: weniger Spielzüge, viel Transition und frühe Würfe. Dafür ist die Liga viel schneller und athletischer. Die Spieler sind extrem flink auf den Füßen und haben alle echt gute Skills. Die Kinder auf den Streetcourts erzählen mir, sie spielen von 16 Uhr am Nachmittag bis 2 Uhr in der Früh und laufen dann schnell nach Hause, weil sie Angst im Dunkeln haben. Noch dazu spielen viele Kinder barfuß mit extrem abgenutzten Bällen – aber die Leidenschaft zum Sport verlieren sie nicht. Sie lieben alle Basketball und die ganze Stadt kennt dich, wenn du dort als Profi tätig bist.
Ich konnte in sehr kurzer Zeit extrem viel mitnehmen, durfte auch mit Ex-NBA-Spieler Felipe Lopez, der den Spitznamen „Dominican Jordan“ trägt, Gespräche führen. Er ist natürlich eine Inspiration für uns. Dort einmal professionell zu spielen, ist eine Option für mich – ich war auch schon mit einigen Vereinen aus dem ganzen Land in Gesprächen. Es gibt mehrere professionelle Ligen im Land und die stärkste davon findet im Sommer statt.