ABA League: BC Vienna geht mit Rückenwind ins Heimspiel gegen Spartak Das erste Aufeinandertreffen im vergangenen Oktober war über weite Strecken ein Spiel auf Augenhöhe. Vienna neutralisierte Spartaks frühe Runs mit Ballmovement und Spacing, übernahm im dritten Viertel kurzzeitig die Führung, verlor nach einem Timeout der Gastgeber jedoch den offensiven Rhythmus. Der folgende 8:0-Run zeigte, wo in dieser Liga die Grenze verläuft: Entscheidungen unter Druck, Wurfauswahl nach Unterbrechungen und die Kontrolle des Tempos. Lernkurve und Entwicklung Seither hat sich die Dynamik verschoben. Spiele gegen KK Crvena Zvezda, KK Zadar und KK Mega Basket waren Lernfelder, in denen Vienna mehrfach nahe dran war, im Schlussviertel jedoch nicht den letzten Schritt setzen konnte. Diese Erfahrungen waren zuletzt im Auftritt gegen Cedevita sichtbar. Vienna kommt mit Momentum aus einem Sieg, der von Physis, einem klaren Spielbild im Halbfeld und konsequenter Konzentration über die gesamte Spielzeit getragen war. Ganz im Sinne von NBA-Coach-Legende Gregg Popovich, der den Unterschied weniger im Aufwand als in der Aufmerksamkeit für Details sieht. Genau diese Konstanz über 40 Minuten war zuletzt der Schlüssel für den BC. Noch offen ist der Einsatz des 15. Spieltags von Luka Ašćerić, Tekele Cotton und Vojislav Stojanović. Fix fehlen wird hingegen Borislav Mladenov, der aufgrund von Wadenproblemen bis Ende Jänner pausieren muss. Spielentscheidende Aspekte Die Serben reisen hingegen mit dem Anspruch an, ihre Spielweise erneut durchzusetzen. Offensiv bevorzugt das Team kontrolliertes Halbfeldspiel, frühe Vorteile aus dem Pick-and-Roll und klare Entscheidungen im Spielaufbau. Defensiv setzt Spartak auf eine kompakte Teamverteidigung und physische Präsenz. Im Hinspiel fehlte phasenweise die Konstanz aus der Distanz, um Spartaks Helpside unter Druck zu setzen. Entscheidend wird sein, wie konstant die Guards ihre Würfe aus dem Spielaufbau und aus dem Setplay heraus verwerten. Spartak gehört zu den physischeren Teams der Gruppe, besonders am defensiven Brett. Vienna braucht kollektives Rebounding, saubere Boxouts und schnelle Outlets, um Second-Chance-Points zu verhindern und selbst zusätzliche Possessions zu generieren. Jede erzwungene Transition verschiebt das Spiel zugunsten der Wiener. Entscheidend wird sein, ob Vienna die zuletzt gezeigte Ruhe auch in der Crunch bestätigt. Die Handschrift von Jovanović Der sportliche Rahmen dieser Entwicklung trägt klar die Handschrift von Vlada Jovanović. Der Spartak-Coach zählt zu den taktisch versiertesten Trainern Europas und hat über Jahre gezeigt, wie sich mit begrenztem Budget klare Spielphilosophien etablieren und nachhaltige Strukturen aufbauen lassen. Auch in der Vojvodina verfolgt der 52-Jährige einen langfristigen Ansatz, bei dem Physis, Disziplin und Spielintelligenz über individuelle Lösungen gestellt werden, sichtbar in klaren Rollen, wiederkehrenden Prinzipien und hoher mannschaftlicher Geschlossenheit. Als Assistant Coach unter dem legendären Duško Vujošević prägte Jovanović eine der erfolgreichsten Ären von KK Partizan maßgeblich mit. In dieser Phase gewann der Klub fünf serbische Meistertitel (2006–2010), vier Titel in der ABA League (2007–2010) sowie drei nationale Cupbewerbe (2008–2010). Zudem war er Teil des Trainerstabs beim EuroLeague Final Four 2010 in Paris. In seiner anschließenden ersten Saison als Head Coach führte er KK Partizan 2011 zum Titelgewinn in der ABA League. Mit vergleichbarem Erfolg arbeitete Jovanović auch im Nachwuchsbereich des serbischen Nationalteams. Als Head Coach der U18-Auswahl gewann er zwei Europameistertitel und unterstrich damit seine Stärke in der langfristigen Entwicklung junger Spieler. Diese Erfolge machen ihn zu einem der renommierten Vertreter der serbischen Basketballschule, der zugleich oft unterschätzt wird, weil seine Arbeit weniger über Ergebnisse als über nachhaltige Entwicklung wirkt. Im Verlauf seiner Karriere arbeitete Jovanović mit zahlreichen namhaften Spielern und war maßgeblich an deren Entwicklung beteiligt, darunter Bogdan Bogdanović, Vladimir Lučić, Dāvis Bertāns, Jan Veselý und Dušan Kecman. MVP als Taktgeber Doch zurück zum bevorstehenden Spiel: Der offensive Fixpunkt ist Souley Boum, der in der vergangenen ABA-Runde zum MVP gewählt wurde. Boum bestimmte zuletzt Tempo und Shot Selection, erzeugte Vorteile aus dem Pick-and-Roll und übernahm in der Crunchtime Verantwortung. Gegen Spartak wird entscheidend sein, wie gut er Ball Pressure absorbiert, die Defense bindet und Reads unter Druck sauber ausspielt. Gelingt ihm das, findet Vienna offensiv früh in den Rhythmus. Entlastung und zusätzliche Shot Creation bringt Gregor Glas. Der Guard kann an einem guten Tag ein Spiel offensiv tragen, geht konsequent zum Korb, trifft aus dem Dribbling und kommt über Cuts und Bewegung ohne Ball immer wieder zu guten Abschlüssen.  Der ehemalige Spieler von KK Partizan hat offensiv viel unter Željko Obradović mitgenommen, was sich in seiner Entscheidungsfindung und seinem Spielverständnis widerspiegelt. Besonders dann, wenn Spartak Boum aggressiv aus dem Spiel nehmen will, wird Glas’ Shotmaking zu einem zentralen Faktor. Direkt daran gekoppelt ist das Spacing für Sammy Hunter. Der Forward traf gegen Cedevita drei seiner vier Dreierversuche und bestrafte konsequent die Helpside. Seine Präsenz an der Dreierlinie verlängert Closeouts, öffnet Räume für den Zug zum Korb und schafft zusätzliche Optionen aus dem Pick-and-Roll. Spartak: Kontrolle über Tempo und Physis Im Backcourt liegt viel Verantwortung bei Olivier Hanlan. Der Kanadier ist Spartaks primärer Shot-Creator, trägt eine hohe Minutenlast und bestimmt Tempo und Rhythmus im Halbfeld, besonders in engen Phasen. Neben ihm fungiert Igor Drobnjak als ordnender Guard, der das Spiel organisiert, Fouls zieht und defensiv Druck am Point of Attack erzeugt.  Die Rollenverteilung erinnert an das Guard-Duo Gibson/Nikolić bei Cedevita, das Vienna zuletzt über weite Strecken gut im Griff hatte. Einzelne schwierige Würfe ließen sich dabei nicht verhindern, was weniger ein Defensivproblem als Ausdruck individueller Qualität war. Im Frontcourt ist Shevon Thompson der zentrale Anker. Der Center zählt zu den effizientesten Big Men im Spartak-Kader, ist stark im Low-Post, kontrolliert das defensive Rebounding und bringt konstante physische Präsenz in der Zone. Vienna wird ihn früh attackieren müssen, um Fouls zu ziehen und die Rotation zu testen. Flankiert wird Thompson von Vojin Medarević und Danilo Nikolić, die als mobile Forwards rebounden, Spacing herstellen und defensiv mehrere Positionen abdecken. Auf Wiener Seite dürfen sich Rašid Mahalbašić sowie Simas Jarumbauskas als vielseitiger Forward einmal mehr auf ein interessantes Matchup freuen. Zwischen Bestätigung und Belastungsprobe Vienna-Head Coach Mike Coffin hat zuletzt gezeigt, dass sein Team die richtigen Lehren ziehen kann. Das Rückspiel vor heimischer Kulisse ist weniger Revanche als eine Belastungsprobe für das neu gewonnene Selbstvertrauen. Gelingt es Vienna, Tempo, Spacing und Intensität zu reproduzieren, ist das Match offen bis zum Schluss. Tickets für das Spiel sind über bcvienna.com erhältlich. 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