Kärntner Talenteschmiede: Aus Wolfsberg ins Nationalteam „Ein ganz wichtiger Faktor ist unsere Präsenz an den Schulen“, sagt Andrea Frank-Stocker, sportliche Leiterin des BBC Wolfsberg. Nur wenn Kinder früh mit Basketball in Berührung kommen, könne ein Verein Talente überhaupt entdecken. Eine ebenso große Rolle spiele das Trainerteam. Viele engagierte Trainerinnen und Trainer investieren seit Jahren Zeit und Herzblut in die Nachwuchsarbeit. „Ohne Menschen, die Kinder und Jugendliche langfristig begleiten und fördern, wären solche Entwicklungen nicht möglich.“ Fokus nicht nur auf die größten Talente Dass Wolfsberg regelmäßig Nationalteamspieler hervorbringt, macht stolz, ist für Frank-Stocker allerdings nur ein Teil der Vereinsphilosophie. Viel wichtiger sei es, jeder Spielerin und jedem Spieler die Möglichkeit zu geben, sich weiterzuentwickeln. „Wir versuchen, aus jedem das Beste herauszuholen. Egal, ob jemand außergewöhnlich talentiert ist oder einfach Freude am Basketball hat.“ Gerade für kleinere Vereine werde diese Aufgabe allerdings zunehmend schwieriger. Talentierte Jugendliche wechseln immer früher zu Superligavereinen oder Akademien. „Teilweise wird unser Nachwuchs schon ab der U12 oder U14 angesprochen.“ Den Schritt gönne man den Talenten zwar, dennoch habe die Entwicklung Folgen. Die Erwachsenenteams seien auf den eigenen Nachwuchs angewiesen. Gleichzeitig gehe die Zahl der Spielerinnen und Spieler insgesamt leicht zurück. „Wenn zusätzlich die talentiertesten Spielerinnen und Spieler sehr früh wechseln, wird es schwieriger, Teams in allen Altersklassen zu stellen.“ Hallenparkett mit Freiwilligen saniert Als Präsident des Kärntner Basketballverbandes blickt Harald Frank dennoch optimistisch auf die Entwicklung im Bundesland. Mit den ASKÖ Radenthein Garnets wird Kärnten in der kommenden Saison erstmals seit Jahren wieder mit drei Vereinen in der Basketball Zweite Liga vertreten. „Das ist ein starkes Signal für den Basketballstandort Kärnten“, sagt Frank. Er hofft, dass dadurch künftig noch mehr Kärntner Talente die Möglichkeit erhalten, sich auf österreichweiter Ebene zu präsentieren. Besonders hebt er den Zusammenhalt in Radenthein hervor, wo viele Freiwillige sogar bei der Sanierung der Sporthalle bzw. des Hallenbodens mitangepackt hätten. Zurück in die Superliga und mehr Mädchen im Basketball Was Kärnten aus Sicht des Verbandspräsidenten dennoch fehlt, ist ein Vertreter in der win2day Basketball Superliga. „Ein Erstligist wäre enorm wichtig“, sagt Frank. Junge Talente würden derzeit häufig früh in andere Bundesländer wechseln, weil ihnen in Kärnten die Perspektive fehle, auf höchstem Niveau zu spielen. Realistisch betrachtet sei der Schritt allerdings schwierig. Neben den finanziellen Anforderungen sieht Frank vor allem die Infrastruktur als größtes Hindernis. „Ohne eine Lösung bei den Hallenkapazitäten wird ein Erstligist für Kärnten schwer umsetzbar bleiben.“ Trotz Erfolgsgeschichten wie die noch junge Karriere von Christina Köppel hofft der Präsident zudem künftig auf noch mehr Kärnter Basketballerinnen. Mit KOS Celovec und den Radenthein Garnets sei die Spitze gut aufgestellt. Sorgen bereite allerdings die Breite: „Seit Jahren schaffen wir es in Kärnten nicht mehr, Nachwuchsmeisterschaften ausschließlich für Mädchen zu organisieren.“ Mehr Mädchen für Basketball zu begeistern, sei deshalb eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre. Konkurrenz komme dabei vor allem vom Fußball, der sein Angebot zuletzt deutlich ausgebaut habe. Für die Zukunft formuliert Frank ein klares Ziel: Vereine im ganzen Bundesland sollen in allen Altersklassen vertreten sein, Mädchenbasketball wieder wachsen und langfristig ein Kärntner Club den Sprung zurück in die Superliga schaffen.