„Du musst der Jäger bleiben“: Bulls starten in ENBL und Supercup in die neue Saison Viel Zeit, den Erfolg der vergangenen Saison zu genießen, hatte Klym Artamonov nicht. „Ehrlich gesagt haben wir schon zwei oder drei Tage nach dem Titelgewinn mit dem Recruiting begonnen“, erzählt der Bulls-Headcoach. „Wir wussten eigentlich ziemlich genau, wen wir verpflichten müssen und wen wir nicht halten können.“ Denn trotz der Erfolge hat sich der Kader in Kapfenberg deutlich verändert. Mit MVP Andrew Jones, Quinton Green und Ryan Lobreau verließen drei Leistungsträger den Klub. Auch Defensive Player of the Year Taye Fields fehlt. Der US-Amerikaner steht zwar weiterhin bei den Bulls unter Vertrag, kehrte aber nicht nach Kapfenberg zurück. „Wir hatten natürlich damit geplant, Fields zu behalten und gewissermaßen um ihn herum aufzubauen“, sagt Artamonov. Die Verantwortlichen mussten reagieren. Mit Daniel Köppel kehrte ein einstiger Kapfenberger Nachwuchsspieler zurück, dazu kamen Mwani Wilkinson, Jalen Cooper, Alec Oglesby und Zacheus Darko-Kelly. Gemeinsam mit den verbliebenen Kräften soll die Mannschaft auch 2026/27 vor allem mit Athletik und Defensive überzeigen. Offensiv soll es gleichzeitig schnell gehen. „Wir wollen mit viel Tempo spielen, viele Transition-Situationen haben und viele Dreipunktewürfe nehmen.“ Die Herausforderung im Recruiting sei deshalb gewesen, „die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden“. Einen ersten kleinen Erfolg gab es bereits: Am Wochenende gewannen die Bulls den Steirercup. Im Finale setzte sich Kapfenberg mit 91:86 gegen BKM Lučenec durch. Neuzugang Jalen Cooper führte sein Team mit 21 Punkten an. Erste Bewährungsprobe in Europa Am Mittwoch wird es erstmals ernst. Zum Auftakt der ENBL gastieren die Bulls bei den Pully Lausanne Foxes in der Schweiz. Insgesamt warten acht Partien gegen Gegner aus acht verschiedenen Ländern, vier davon in Kapfenberg. Für Artamonov ist der internationale Bewerb ein erster Gradmesser für den neu zusammengestellten Kader. „Wir wissen, dass die österreichische Liga und die North European League etwas unterschiedlich sind. Das macht es auch nicht ganz einfach, einen Kader zusammenzustellen, der wirklich zu beiden Ligen passt.“ Mit dem bisherigen Entwicklungsstand seiner Mannschaft ist Artamonov jedoch – fürs Erste – zufrieden. „Wenn ich jetzt sagen würde, dass ich bereits komplett zufrieden bin, dann würde das bedeuten, dass wir ein Problem haben“, sagt er. „Aber wir sind auf dem richtigen Weg.“ Titelduell gegen Cupsieger Wels Bereits am Samstag folgt in Kapfenberg gegen Wels der Start in die heimische Saison und damit gleichzeitig der Supercup. „Natürlich wollen wir dieses Spiel gewinnen“, stellt Artamonov klar. „Wir spielen zu Hause und es ist der erste mögliche Titel für uns. Wir müssen bereit sein, diese Chance zu nutzen.“ Dass seine Bulls nach dem Triple nun die Gejagten sind, will der Headcoach dabei gar nicht erst zum Thema werden lassen. Auch mit Begriffen wie Favorit oder Underdog kann er wenig anfangen. „Es spielt keine Rolle, was in der Vergangenheit passiert ist. Du musst der Jäger bleiben, sonst wirst du zum Gejagten.“