„Der Sieg ist eine Momentaufnahme“: Bachl-Tanaka über den starken Welser Start Viel besser hätte der Einstand kaum laufen können. In seinem ersten Pflichtspiel als Headcoach von DBB Wels führte Daniel Bachl-Tanaka seine Mannschaft zu einem 78:73-Auswärtssieg bei den BK Raiffeisen Duchess. Dabei lagen die Oberösterreicherinnen kurz vor der Halbzeit noch mit 17 Punkten zurück. Es folgte eine Aufholjagd, die zugleich die seit Jänner 2025 andauernde Siegesserie der Klosterneuburgerinnen beendete. Für Bachl-Tanaka ist der Erfolg aber nur der erste Schritt. Der neue Welser Coach, der vor seinem Engagement bereits mehrere Jahre mit dem Verein in Kontakt stand, will vor allem junge Spielerinnen entwickeln und ihnen echte Verantwortung übertragen. Im Gespräch mit Basketball Austria erklärt er, welche Identität er seiner Mannschaft geben möchte und warum er trotz des Traumstarts noch keine neuen Saisonziele ausruft. Basketball Austria: Besser kann man als neuer Headcoach wahrscheinlich kaum in eine Saison starten: 17 Punkte Rückstand beim Meister aufgeholt und dessen Serie von 32 Siegen beendet. Was hat deine Mannschaft in dem Spiel richtig gemacht und was sagt dieser Sieg über das Potenzial des Teams? Bachl-Tanaka: Was mir am meisten gefallen hat, war die Reaktion der Mannschaft. Wir sind auch bei 17 Punkten Rückstand ruhig geblieben, haben die Köpfe nicht hängen lassen, im Verlauf des Spiels einige Dinge angepasst und uns Schritt für Schritt zurückgearbeitet. Dabei hat man gesehen, dass wir Verantwortung auf viele Schultern verteilen können. Unabhängig vom Ergebnis bin ich enorm stolz darauf, wie eng diese Mannschaft in so kurzer Zeit zusammengewachsen ist und wie sie es geschafft hat, auch eine solch schwierige Phase gemeinsam zu überwinden. Der Sieg zeigt, welches Potenzial in der Gruppe steckt, aber er ist für mich vor allem eine Momentaufnahme. Wir stehen noch sehr früh in unserer Entwicklung und haben in vielen Bereichen noch Arbeit vor uns. Du hast bei deiner Verpflichtung gesagt, dass der Fokus klar auf der Entwicklung junger Spielerinnen liegt. Gleichzeitig habt ihr mit Anna Alborova viel Erfahrung zurückgeholt und mit Marina Laborda, Lara Sanchez und Amanda Okodugha neue Legionärinnen bekommen. Welche Identität soll die Mannschaft bekommen? Wir wollen eine Mannschaft sein, die über Tempo, Defense, Rebounding und gute Entscheidungen kommt. In unserer Spielphilosophie geht es darum, den Spielerinnen zwar Strukturen und Prinzipien mitzugeben, ihnen innerhalb dieses Rahmens aber möglichst viel Freiheit für eigene Entscheidungen zu lassen. Sie sollen lernen, Situationen zu lesen und Lösungen auf dem Feld selbst zu erkennen, anstatt ausschließlich vorgegebenen Abläufen zu folgen. Entwicklung bedeutet für mich deshalb nicht, einfach nur jungen Spielerinnen Minuten zu geben, sondern sie in echte Verantwortung zu bringen und ihnen die Werkzeuge zu geben, gute Entscheidungen selbst zu treffen. Anna bringt natürlich viel Erfahrung mit, ist aber selbst noch jung – genauso wie Marina. Das darf man bei der Einordnung unseres Teams nicht vergessen. Erfahrung ist aber wichtig, weil sie einer jungen Mannschaft Stabilität geben und diesen Entwicklungsprozess beschleunigen kann. Am Ende sollen nicht einzelne Spielerinnen unsere Identität bestimmen, sondern die Art, wie wir als Mannschaft spielen und miteinander funktionieren. Wels stand vergangene Saison im Halbfinale, war dort gegen Klosterneuburg aber letztlich chancenlos. Jetzt gewinnt ihr gleich zum Auftakt beim Meister. Verändert so ein Sieg die Ansprüche? Nein, an unseren Ansprüchen ändert ein einzelnes Spiel nichts. Natürlich nehmen wir viel Positives daraus mit, weil wir gesehen haben, dass wir auch gegen eine sehr gute Mannschaft konkurrenzfähig sein können. Gleichzeitig wäre es falsch, aus einem Sieg zum Saisonauftakt schon Rückschlüsse auf den weiteren Saisonverlauf zu ziehen. Entscheidend ist für uns, ob wir diese Leistung stabilisieren und uns über die nächsten Monate weiterentwickeln können. Unsere Ansprüche an uns selbst sind ohnehin hoch, aber sie müssen realistisch bleiben. Gerade weil nicht jedes Spiel so laufen wird, wie man es sich vorher vorstellt. Du hast bei deinem Antritt erzählt, dass du den Verein schon länger am Radar hattest. Jetzt arbeitest du selbst täglich mit den Spielerinnen. Was hast du seitdem über den DBB Wels gelernt und wo siehst du das größte Entwicklungspotenzial? Für mich hat sich bestätigt, dass hier eine sehr interessante Basis vorhanden ist. Vor allem die Verbindung aus jungen Spielerinnen, die Verantwortung übernehmen können, und erfahrenen Spielerinnen bietet viele Möglichkeiten. Der Unterbau aus einer tollen Jugendarbeit hilft dabei natürlich enorm. Genau deshalb habe ich aber auch intensiv daran gearbeitet, erfahrenere ehemalige Eigengewächse wie beispielsweise Anna und Valerie wieder zurück ins Team zu holen. Den bestehenden jungen Kern wollte ich dann mit den Legionärinnen um zusätzliche Stabilität und Erfahrung ergänzen. Der DBB Wels hat mich in diesem Prozess sehr unterstützt und mir auch bei den Spielerverpflichtungen die nötige Freiheit gegeben. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum intensiv mit Spielerinnen zu sprechen, sie zu beobachten und zu scouten. Entscheidend war für mich dabei nie nur die sportliche Qualität, sondern auch die Frage, wer menschlich zu dieser Gruppe passt. Ich glaube, genau diese Mischung ist ein wichtiger Teil davon, warum die Mannschaft schon jetzt so gut zusammengefunden hat. Das größte Entwicklungspotenzial sehe ich darin, unsere Rollen noch klarer zu bekommen und in unseren Entscheidungen konstanter zu werden. Gerade bei einer Mannschaft, in der einige Spielerinnen neue oder größere Rollen übernehmen, braucht dieser Prozess Zeit. Wenn uns das gelingt, können wir als Team im Laufe der Saison noch deutlich stabiler werden. Wenn wir vor den Playoffs noch einmal miteinander sprechen: Woran würdest du eine erfolgreiche Regular Season festmachen? Und wie weit kann diese Mannschaft sportlich kommen? Für mich wäre eine erfolgreiche Regular Season nicht ausschließlich an der Tabelle abzulesen. Entscheidend wäre, dass unsere Spielidee klar erkennbar ist, dass unsere jungen Spielerinnen echte Entwicklungsschritte gemacht haben und wir als Mannschaft konstanter und reifer geworden sind. Auch wenn sich aus unserer Arbeit ergibt, dass die eine oder andere Spielerin schon nach dieser Saison bereit für den nächsten Schritt ist, wäre das für mich ein großer Erfolg. Wenn wir gegen Ende der Saison effektiver Basketball spielen als zu Beginn, wäre das für mich ein wichtiges Zeichen. Wie weit uns das sportlich trägt, möchte ich nach einem Spiel noch nicht definieren. Wir wollen uns in eine Position bringen, in der wir gegen gute Mannschaften bestehen können. Alles Weitere muss sich die Mannschaft über die Saison erarbeiten. >> Heimauftakt gegen Graz Bachl-Tanaka und seine Mannschaft sind bereits am Samstag, 3. Oktober, wieder im Einsatz. Um 17.30 Uhr empfängt DBB Wels im eww Baskets Center den UBSC-DBBC Graz zum ersten Heimspiel der neuen BDSL-Saison.