„Da darf man auch groß träumen“: Bettina Kunz über das Projekt Danubz Linz Bettina Kunz hat im österreichischen Damenbasketball bereits viel erreicht. Die gebürtige Amstettnerin spielte unter anderem für die BK Raiffeisen Duchess, Vienna United, den SKN St. Pölten und DBB Wels. Mit St. Pölten gewann sie 2023/24 den Meistertitel, auch für das österreichische Nationalteam stand sie auf dem Parkett. Mittlerweile ist die Oberösterreicherin bei Danubz Linz angekommen. Am Samstag empfängt der BDSL-Neuling ausgerechnet Kunz' ehemaligen Klub DBB Wels. Erstmals seit mehr als 20 Jahren stehen sich damit zwei oberösterreichische Mannschaften in der höchsten österreichischen Damen-Spielklasse gegenüber. Von einer besonderen Rivalität will Kunz dennoch nichts wissen. „Für mich bedeutet diese Begegnung null Rivalität. Meine Gefühle sind vielmehr Stolz und eine Art Euphorie, dass es endlich wieder zwei Vereine in Oberösterreich gibt“, erklärt sie. „Die Rechnung ist einfach: Je mehr Teams, desto besser. Denn das bedeutet, dass wir mehr Athletinnen in Österreich haben. Egal wo.“ Sportlich wartet allerdings eine schwierige Aufgabe: Wels führt die Tabelle nach vier Siegen ungeschlagen an. „Wels ist heuer nicht nur solide, sondern sehr stark. Ein physisch starkes Team, das auf jeder Position Intensität, Kampfgeist und offensiven Ehrgeiz vertritt.“ Top-4 bereits in der Premierensaison? Dass Kunz heute in Linz spielt, ist kein reiner Zufall. Schon vor einigen Saisonen sprach sie davon, dass in der oberösterreichischen Landeshauptstadt ein professionell aufgestellter Basketballverein entstehen könnte. „Als gebürtige Amstettnerin und zugezogene Linzerin ist ein Verein in meiner Wahlheimat optimal, um Beruf, Leben und Basketball zu verbinden“, erzählt Kunz. „Mit Herzblut, Liebe zum Sport und unheimlich vielen unbezahlten Extrastunden wurde dieses Projekt aus dem Boden gestampft“, betont die ehemalige Nationalspielerin. „Was heute so professionell umgesetzt werden kann, ist für uns nicht selbstverständlich. Umso mehr gilt ein besonderer Dank Neso Bozic und seinem Vorstandsteam für die Pionierarbeit und unseren Hauptsponsoren Stupar und LaRuffa für die finanzielle Unterstützung“, so Kunz. Sportlich ist der Einstieg gelungen. Die ersten beiden BDSL-Spiele gewannen die Linzerinnen, zuletzt folgten Niederlagen gegen die Basket Flames und Meister Klosterneuburg. Kunz bleibt dennoch optimistisch: „Unsere Saison begann mit zwei Siegen sicherlich optimal. Allerdings sind wir von diesen kurzfristigen Erfolgen bestimmt nicht geblendet.“ Die Liga sei sehr ausgeglichen, entscheidend werde die weitere Entwicklung der Mannschaft sein. „Individuell schätze ich uns als ein Top-4-würdiges Team ein.“ „Eine Trainerin in der BDSL sollte davon leben können“ Bei aller Begeisterung über den neuen Standort verliert Kunz die Schwierigkeiten des österreichischen Frauenbasketballs nicht aus den Augen. Den größten Aufholbedarf sieht sie in den Strukturen. „Es braucht mehr weiblichen Nachwuchs, aber nicht nur am Spielfeld, sondern auch an der Seitenlinie“, fordert sie. Gemeint sind Trainerinnen, Physiotherapeutinnen und Mentorinnen, die junge Basketballerinnen auf ihrem Weg begleiten können. Auch bei der Trainingsgestaltung sieht Kunz Verbesserungsbedarf, etwa durch stärker auf den weiblichen Körper abgestimmtes Kraft- und Athletiktrainin – „beispielsweise durch zyklusbasiertes Training“. Vor allem aber fehle es an finanziellen Möglichkeiten und entsprechender Aufmerksamkeit. Kunz wünscht sich Sponsoren, die gezielt in den Mädchen- und Frauensport investieren, sowie eine stärkere mediale Präsenz. „Eine weibliche Trainerin in der Superliga sollte von ihrem Job leben können. Davon sind wir meilenweit entfernt“, sagt sie. Dabei gehe es ihr nicht darum, einzelnen Personen Vorwürfe zu machen. „Es hat niemand direkt Schuld, es ist ein strukturelles Problem. Aber Probleme sind da, um eine Lösung zu finden.“ Auf den Spuren der LASK Damen Auch für Danubz Linz ist der Einstieg in die höchste Spielklasse aus Kunz' Sicht erst der Anfang. Langfristig soll ein Standort entstehen, an dem Mädchen vom ersten Kontakt mit Basketball bis in den Leistungssport begleitet werden können. „Der Standort Linz ist ideal, um sich nicht nur an der Spitze in der Superliga, sondern sukzessive von der Ballspielgruppe über die WU10 bis hin zur WU19 zu etablieren“, erklärt Kunz. Am Interesse der Mädchen zweifelt sie nicht: „Wir haben viele basketballbegeisterte Schülerinnen.“ Damit das gelingt, brauche es allerdings Unterstützung abseits des Sports, insbesondere bessere Hallen- und Trainingsmöglichkeiten sowie ein dauerhaftes Netzwerk aus Schulen und lokalen Institutionen. Andere Linzer Sportvereine könnten dabei als Vorbilder dienen. „Linz hat bereits viele bestehende große Vereine in anderen Sportarten, zum Beispiel die Steelvolleys oder die LASK Damen. Diese zeigen den Weg in die richtige Richtung. Daran wollen wir uns orientieren, und da darf man auch groß träumen.“