Edi Patekar vor Kracher in Oberwart: „Ich kenne die Halle besser als mein Wohnzimmer“ Basketball Austria: Du bist in Oberwart aufgewachsen und hast dort fast deine gesamte bisherige Karriere verbracht. Mit welchem Gefühl kehrst du am Samstag zurück? Patekar: Ich wäre kein Mensch oder Sportler, wenn ich nicht ein bisschen aufgeregt wäre. Aber es ist vor allem Vorfreude darauf, alle wiederzusehen. Ich kenne die Halle wahrscheinlich besser als mein eigenes Wohnzimmer und habe eine große emotionale Verbindung zum Verein. Natürlich wird es ungewohnt sein, dieses Mal auf der anderen Seite der Halle zu sitzen. Aber das gehört zum Sport. Ich bin nicht der Erste und auch nicht der Letzte, der seine sportliche Heimat verlassen hat. Warum war für dich im Sommer der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel? Nach so vielen Jahren habe ich geglaubt, dass es diesen Schritt braucht. Ich war mit Oberwart drei Jahre in Folge im Finale, zweimal sind wir Meister geworden. Irgendwann wollte ich etwas anderes erleben, auch abseits des Feldes, und ausprobieren, wie es ist, aus der Komfortzone herauszugehen. In Oberwart hatte ich einen gewissen Komfort, auch durch die Nähe zur Familie. Auf einmal muss man sich neu zurechtfinden und Probleme lösen. Das gibt mir Motivation. Auch andere Spieler sind gegangen. Es war ein bisschen der Zeitpunkt, an dem wir gesagt haben: Probieren wir jetzt etwas anderes aus. Was ist für dich der größte Unterschied zwischen Oberwart und Traiskirchen? In Oberwart hatte ich immer erfahrene österreichische Spieler, die mir geholfen haben. Jetzt bin ich mit 26 Jahren der älteste Spieler im Team. Auch die Amerikaner sind relativ jung, zwei haben davor noch nie in Europa gespielt. Das ist eine große Umstellung. Die jungen Spieler sind zwar unerfahren, haben aber Qualität. Dazu kommen andere tägliche Routinen, Trainingszeiten und Hallenverfügbarkeiten. Nach so vielen Jahren werden Dinge zur Gewohnheit, über die man gar nicht mehr nachdenkt. Wie leicht ist es dir gefallen, dich sportlich in die neue Mannschaft einzufügen? Durch die unterschiedlichen Trainer in Oberwart und im Nationalteam habe ich gelernt, mich schnell anzupassen. Das ist mir auch hier ziemlich schnell gelungen. Ich habe wirklich Top-Teammates, wir haben eine gute Chemie. Benni (Benedikt Danek, Anm.), unseren Headcoach, kannte ich schon vom Nationalteam. Alle im Verein waren sehr professionell und sind mir in vielen Dingen entgegengekommen. Das hat die Umstellung leichter gemacht. Ihr seid mit sieben Siegen gestartet. Hat dich das überrascht? Ich habe schon in der Vorbereitung gesehen, dass wir gegen starke Gegner bis kurz vor Schluss gut mithalten können. Da konnte ich durch meine Erfahrung einschätzen: Obwohl wir so jung sind, können wir etwas Großes leisten. Wir hatten aber teilweise auch ein leichteres Programm und haben gegen geschwächte Welser und Grazer gespielt. Ein 7:0 zum Saisonstart nimmt man gerne mit, und die Stimmung ist natürlich anders. Jeder liebt es, zu gewinnen. Auf die ganze Saison bezogen bedeutet das aber noch nicht so viel. Ich habe in Oberwart selbst erlebt, dass man als Neuntplatzierter Meister werden kann. Wie ist das Lions-Leben abseits des Basketballs? Ich mache weiterhin mein Studium. Das geht im Schneckentempo voran, aber wenn ich Zeit habe und mich wirklich zwei Stunden hinsetzen kann, mache ich etwas dafür. Ich bin mittlerweile gegen Ende des Studiums. Außerdem spiele ich gerne Gitarre und lese viel. Ich kann mich nicht erinnern, wann mir das letzte Mal fad war. Sonst ist ohnehin alles mit Training vollgepackt. Was wird am Samstag gegen Oberwart entscheidend sein? Wir sollten unsere Identität nicht verändern. Wir haben einen guten Mix aus individuellen Fähigkeiten und Teambasketball. Wir sind zu diesem 7:0 gekommen, weil wir sehr aggressiv verteidigt und in der Offensive schnell gespielt haben. Gegen Oberwart kommt auch die taktische Komponente dazu. Sie spielen sehr physisch und führen alles sehr präzise aus. Da müssen wir im Kopf zu 100 Prozent bereit sein, einen kühlen Kopf bewahren und als Team auftreten. Und wir sollten das Spiel genießen. Für mich ist es immer etwas Besonderes, in Oberwart zu spielen. Niemand hat so eine Halle und meiner Meinung nach auch so einen Fanclub.