Die Namenssuche gestaltete sich zunächst schwierig. Als die Sportlerinnen und Sportler bei einem Training gefragt wurden, wie ihre Mannschaft eigentlich heißen sollte, herrschte erst einmal Stille. Nur ein Spieler hatte eine klare Vorstellung: „Eiszeit, Eiszeit, Eiszeit“, rief er.
Die Sache war entschieden und die Grazer Eiszeit geboren.
Entstanden ist das Team aus einem Special-Olympics-Training. Dort bemerkten die Verantwortlichen schnell, was Basketball bewirken kann: „Basketball bietet aus unserer Sicht unglaublich viele Möglichkeiten“, erklärt Stefan Brunner, Obmann-Stellvertreter der Grazer Eiszeit. Wenig Equipment, die Möglichkeit, drinnen wie draußen zu spielen, und vor allem die Anpassungsfähigkeit des Sports seien ideale Voraussetzungen.
Im Februar 2026 folgte schließlich die Gründung eines eigenen Vereins. Das große Ziel dahinter ist simpel: Gelebte Inklusion. „Man steht gemeinsam auf dem Feld, passt sich den Ball zu, läuft in die Defense, freut sich über einen Korb und ärgert sich vielleicht auch einmal über einen Fehlwurf. Und plötzlich spielt es gar keine Rolle mehr, wer welche Behinderung hat oder wer ohne Behinderung dabei ist.“
Neue Halle, intensiveres Training
Der Verein versteht sich bewusst als offenes Angebot und ist nicht an eine bestimmte soziale Einrichtung gebunden. Jugendliche und Erwachsene aus unterschiedlichen Einrichtungen trainieren gemeinsam. Derzeit kommen regelmäßig acht bis zwölf Spielerinnen und Spieler.
Bislang wurde einmal wöchentlich im Rahmen von Special Olympics im Turnsaal des Odilieninstituts trainiert. Mit dem wachsenden Team steigen allerdings auch die sportlichen Ansprüche und der Platzbedarf. Mit der neuen Saison folgt deshalb ein wichtiger Schritt: Die Grazer Eiszeit bekommt eine Trainingsmöglichkeit in der Grazer Unionhalle. Dort sollen Fortgeschrittene intensiver trainieren und gemeinsam mit sogenannten Unified Partnern, also Menschen ohne Beeinträchtigung, spielen können.

Langfristig schwebt dem Verein ein zweistufiges Modell vor: ein niederschwelliges Angebot zum Kennenlernen von Basketball und Bewegung sowie ein inklusives Training, in dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam trainieren und spielen.
Erstes großes Ziel erreicht
Wohin die Reise sportlich gehen kann, erlebte die Eiszeit bereits wenige Monate nach der Vereinsgründung. Bei den Nationalen Sommerspielen von Special Olympics in Wien trat die Mannschaft erstmals bei einem großen Wettbewerb an.
Sportlich war die Premiere anspruchsvoll. Gegen deutlich routiniertere Teams aus Kapfenberg, St. Pölten und vom GAK blieb der erste Sieg noch aus. Besonders wichtig war das am Ende allerdings nicht: „Wir haben mit vollem Einsatz gespielt, uns durch die Hitze gekämpft, viele Punkte gemacht und viel Spaß gehabt“, erzählt Brunner. Einige seien während der Tage in Wien regelrecht aufgeblüht. Neben den Spielen blieben vor allem die Begegnungen, die gemeinsamen Feiern sowie Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung in Erinnerung.
Wertvoll war Wien auch für die Zeit danach. Kontakte zu anderen Teams und Verantwortlichen wurden geknüpft. Denn nur alle zwei Jahre bei den großen Special-Olympics-Veranstaltungen anzutreten, ist den Grazern zu wenig. Freundschaftsspiele und kleinere Turniere sollen künftig für regelmäßigen Wettbewerb sorgen.
„Wir wollen spielen“
Wien soll erst der Anfang gewesen sein. Zwei regelmäßige Einheiten pro Woche sind das nächste größere Ziel. Kooperationen mit Schulen, sozialen Einrichtungen und anderen Vereinen sollen zusätzliche Interessierte, Unified Partner und Unterstützer zur Eiszeit bringen.
Und dann gibt es noch einen Wunsch: „Wir wollen spielen.“ Zunächst in Freundschaftsspielen, später bei kleineren Turnieren und weiteren Wettbewerben. Vielleicht, so die Hoffnung, richtet die Grazer Eiszeit eines Tages sogar selbst ein inklusives Basketballturnier in Graz aus.
Bis es so weit ist, wird jedenfalls weiter trainiert, betont Brunner: „Wenn am Ende eines Trainings möglichst viele Menschen mit einem breiten Grinsen aus der Halle gehen, sich bewegt haben und aufeinander zugegangen sind, dann haben wir auch schon sehr viel erreicht.“