Was im Frühjahr 1956 mit einer Handvoll engagierter Basketballpioniere begann, entwickelte sich in den vergangenen sieben Jahrzehnten zu einer der bedeutendsten Basketballregionen Österreichs. Der OÖBV prägte die Entwicklung des Basketballsports im Land nachhaltig mit zahlreichen Meistermannschaften, Nationalteamspieler:innen sowie erfolgreiche Nachwuchs- und Bundesligavereinen.
Die Anfänge des Basketballs in Oberösterreich
Am 28. März 1956 fand unter der Leitung von Max Lakitsch die Gründungsversammlung des Oberösterreichischen Basketballverbandes statt. Bereits bei dieser Versammlung nahmen auf Initiative des Steyrers Helmut Sattler Vertreter von acht Vereinen teil – ein deutliches Zeichen für das große Interesse am Basketballsport in Oberösterreich.
Am 14. August 1956 erhielt der OÖBV den offiziellen Nichtuntersagungsbescheid der Oberösterreichischen Sicherheitsdirektion. Damit war der oberösterreichische Basketballverband offiziell gegründet. Bereits im Oktober desselben Jahres startete die erste oberösterreichische Verbandsmeisterschaft. In den ersten Jahren muss jede Mannschaft zu jedem ihrer Spiele einen „Freiwilligen“ als – ungeprüften – Schiedsrichter bereitstellen.
Der OÖBV war nach der Steiermark (1950), Wien (1951), Kärnten (1952), Salzburg (1953) und Niederösterreich (1953) der sechste Landesverband innerhalb des bereits seit 1948 bestehenden Österreichischen Basketballverbandes.
Der Weg in die österreichische Spitze
Schon wenige Jahre nach seiner Gründung machten Mannschaften aus Oberösterreich auf nationaler Ebene auf sich aufmerksam. 1960 war Union Wels das erste Team aus Oberösterreich in der neu geschaffenen Staatsliga B. Zwar dauerte das Gastspiel zunächst nur eine Saison, doch der Grundstein war gelegt.
1964 schaffte mit ATSV Wels die nächste Mannschaft den Sprung in die zweithöchste Spielklasse. Bereits ein Jahr später belegte das Team den zweiten Platz und stieg 1966 – exakt zehn Jahre nach der Gründung des OÖBV – als erste oberösterreichische Mannschaft überhaupt in die Staatsliga A auf.
Auch die Damen folgten diesem Weg. 1969 erreichte mit dem Allgemeinen Turnverein Linz erstmals eine oberösterreichische Damenmannschaft die höchste österreichische Spielklasse.
1972 schrieb ATSV Mounier Wels mit dem Vizestaatsmeistertitel ein weiteres Kapitel oberösterreichischer Basketballgeschichte. Drei Jahre später waren bereits fünf Teams aus Oberösterreich in den österreichischen Bundesligen vertreten – Mannschaften aus Wels, Steyr, Linz und Gmunden sorgten für eine starke Präsenz des Bundeslandes auf nationaler Ebene.
Die ersten großen Erfolge
In den 1980er Jahren etablierte sich Oberösterreich endgültig als Basketball-Hochburg. 1981 erreichten sowohl die Herren von ABC Stock 84 Wels als auch die Damen des Allgemeinen TV Linz den Vizestaatsmeistertitel.
Bei den Herren sorgte insbesondere UBSC Wels zwischen 1987 und 1990 mit vier Vizestaatsmeisterschaften in Folge für Aufmerksamkeit. Parallel dazu gehörten die Damen von UBC Media Rent Wels zur nationalen Spitze und wurden von 1986 bis 1988 dreimal Vizemeister.
1989 folgte schließlich ein historischer Meilenstein: UBC PSK Media Rent Wels gewann erstmals den österreichischen Damen-Staatsmeistertitel. Es war nicht nur der erste Meistertitel für Oberösterreich bei den Damen, sondern zugleich der erste Damen-Staatsmeistertitel der österreichischen Basketballgeschichte, der nicht nach Wien ging. Die Welserinnen verteidigten ihren Titel 1990 erfolgreich und machten mit dem dritten Titelgewinn in Folge 1991 den „Threepeat“ perfekt.
Eine Ära der Damen-Dominanz
Die 1990er Jahre standen ganz im Zeichen oberösterreichischer Damenmannschaften.
1992 kam es erstmals zu einem rein oberösterreichischen Finale um die österreichische Damen-Staatsmeisterschaft zwischen Wels und Steyr. Wels setzte sich durch, während Steyr nach Rang drei im Jahr 1990 erstmals Vizemeister wurde.
Bereits 1993 gelang den Damen aus Steyr der große Wurf mit dem ersten Staatsmeistertitel der Vereinsgeschichte. Wels blieb jedoch weiterhin eine dominierende Kraft und gewann weitere Meisterschaften 1994, 1996 und 1997. Unter dem Namen Powerbasket Wels folgten schließlich auch die Titelgewinne 2004 und 2005.
Insgesamt entwickelte sich Oberösterreich über viele Jahre hinweg zum Zentrum des österreichischen Damenbasketballs.
Die Herren holen den Titel nach Oberösterreich
Während die Damen bereits zahlreiche Meistertitel feierten, mussten die Herren etwas länger auf den ganz großen Triumph warten.
Mit dem Aufstieg der Swans Gmunden begann schließlich eine neue Erfolgsära. 2005 holten die Salzkammergut-Basketballer erstmals den österreichischen Staatsmeistertitel und wiederholten diesen Erfolg in den beiden folgenden Jahren. Weitere Meisterschaften folgten 2010, 2021 und 2023.
Dazwischen gelang auch dem WBC Wels 2009 der Gewinn des Staatsmeistertitels.
Besonders die Duelle zwischen Gmunden und Wels entwickelten sich in den 2010er Jahren zum wohl größten Derby des österreichischen Basketballs. Ob Grunddurchgang, Playoffs oder Vorbereitungsspiele – die Begegnung zwischen den beiden Traditionsvereinen steht bis heute für volle Hallen, große Emotionen und sportliche Höchstleistungen.
Erfolge im Cupbewerb
Auch im österreichischen Cupbewerb hinterließen die oberösterreichischen Vereine deutliche Spuren.
Die Swans Gmunden gewannen den Herren-Cup 2003, 2004, 2008, 2010, 2011, 2012 und 2023 insgesamt siebenmal. Wels feierte Cuptriumphs 2006, 2024 und ist mit dem Titelgewinn 2026 aktueller österreichischer Cupsieger.
Bei den Damen gelang es ausschließlich Mannschaften aus Wels, den österreichischen Cup nach Oberösterreich zu holen. Die Titelgewinne 1996, 1997, 1998, 2004, 2005, 2008 und 2009 unterstreichen die langjährige Dominanz des Welser Damenbasketballs.
Eine starke Nachwuchstradition
Neben den Erfolgen im Erwachsenenbereich zählt die Nachwuchsarbeit seit Jahrzehnten zu den großen Stärken des oberösterreichischen Basketballs.
Bereits in den 1970er und 1980er Jahren konnten oberösterreichische Vereine zahlreiche österreichische Nachwuchsmeistertitel gewinnen. Besonders erfolgreich waren dabei die Vereine Allg. TV Linz, UBC Wels und ABC Wels.
Waren es rund um die Jahrtausendwende insbesondere die Mädchenmannschaften des DBK Steyr und UBC Wels sowie die Burschenteams aus Gmunden, die regelmäßig österreichische Nachwuchs-Staatsmeistertitel nach Oberösterreich holten und damit den Grundstein für spätere Erfolge auf Cup- und Bundesligaebene legten, so prägen heute vor allem die Welser Nachwuchsprogramme die nationale Spitze.
Insbesondere die Kooperationsvereine DBB Wels und FCN Baskets Wels haben sich in den vergangenen Jahren zu echten Titelsammler:innen entwickelt. Immer wieder gelangen Meisterschaftserfolge in den höchsten österreichischen Nachwuchsligen, wodurch zahlreiche Talente den Sprung in Bundesligen, Nationalteams und den Leistungssport schafften. Ein besonderes Ausrufezeichen setzte der Welser Nachwuchs im Jahr 2024: Mit den österreichischen Staatsmeistertiteln in der MU14, WU14 und WU16 gingen gleich drei von sechs offiziellen Nachwuchs-Staatsmeisterschaften – und damit die Hälfte aller österreichischen Nachwuchstitel – nach Wels. Die anhaltenden Erfolge unterstreichen eindrucksvoll die Bedeutung Oberösterreichs als Ausbildungsstandort für den österreichischen Basketball.
Oberösterreichs Erfolgsgeschichte im Schulbasketball
Die Erfolgsgeschichte des oberösterreichischen Basketballs wurde jedoch nicht nur in Vereinen geschrieben, sondern auch in den Schulen des Landes. Der österreichische Basketball-Schulcup zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Nachwuchsplattformen des Sports, und Oberösterreich gehört seit den Anfängen zu den erfolgreichsten Bundesländern.
Zahlreiche oberösterreichische Schulen konnten sich in den vergangenen vier Jahrzehnten in die Siegerlisten der Bundesmeisterschaften eintragen. Besonders erfolgreich waren unter anderem die Sporthauptschule Steyr, das BG/BRG Gmunden, mehrere Welser Schulen sowie zuletzt die SMS Lenzing und die SMS Wels.
Allein bei den Burschen gingen seit 1985 zahlreiche Bundessiege nach Oberösterreich, darunter Titel für Schulen aus Gmunden und Wels. Mit dem Bundessieg des BG/BRG Gmunden heuer in Salzburg stellt man zudem aktuell den amtierenden Schulcupsieger.
Auch bei den Mädchen zählten insbesondere die Teams aus Steyr über viele Jahre hinweg zur absoluten österreichischen Spitze und gewannen zwischen 1987 und 2004 insgesamt neun Bundesmeisterschaften.
In den vergangenen Jahren konnten mit der SMS Lenzing (2022) sowie der SMS Wels (2024 und 2025) weitere Bundessieger gestellt werden. Diese beeindruckende Bilanz unterstreicht die Bedeutung des Schulbasketballs als Fundament für den Vereinssport und zeigt, dass Oberösterreich seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Talentschmieden des österreichischen Basketballs zählt.
Oberösterreich gestaltet den österreichischen Basketball mit
Die Bedeutung Oberösterreichs für den österreichischen Basketball beschränkt sich nicht nur auf Erfolge auf dem Spielfeld. Über Jahrzehnte hinweg übernahmen Persönlichkeiten aus dem OÖBV auch wichtige Funktionen auf Bundesebene und trugen maßgeblich zur Entwicklung des österreichischen Basketballs bei. Bereits 1974 wurde Alfred Eigruber zum Vizepräsidenten des Österreichischen Basketballverbandes gewählt und in den Jahren 1976 sowie 1978 in diesem Amt bestätigt. Mit dem Gmundner Jörg Zulehner stellte Oberösterreich ab 1980 den Nachwuchsreferenten des ÖBV, während Ernst Schlemmer ab 1983 über viele Jahre als Trainerreferent die Aus- und Weiterbildung österreichischer Trainerinnen und Trainer mitgestaltete.
In den späten 1980er- und 1990er-Jahren war Oberösterreich weiterhin stark in den Führungsgremien des österreichischen Basketballs vertreten. Norbert Schullerer wurde 1986 zum Kassier des ÖBV gewählt und übernahm ab 1989 das Amt des Vizepräsidenten, in das er auch in den Jahren 1993 und 1995 wiedergewählt wurde. Parallel dazu blieb Ernst Schlemmer bis in die 1990er-Jahre hinein eine prägende Persönlichkeit im österreichischen Trainerwesen. Mit Hubert Kehrer stellte Oberösterreich ab 1997 zudem den Schulsportreferenten des ÖBV. Der langjährige Förderer des Schulbasketballs trug entscheidend dazu bei, dass sich der Basketball-Schulcup zu einer österreichweiten Erfolgsgeschichte entwickelte.
Auch im neuen Jahrtausend setzte sich dieses Engagement fort. Hubert Kehrer blieb Schulsportreferent, während der heutige OÖBV-Vizepräsident und Rechtsreferent Martin Greifender im Jahr 2000 Mitglied des neu geschaffenen ÖBV-Protestsenats wurde. Herbert Watzke übernahm 2004 zudem für kurze Zeit die Funktion eines Vizepräsidenten in der Österreichischen Basketball Bundesliga. In jüngerer Vergangenheit war der aktuell amtierende OÖBV-Präsident Karl Winkler mitverantwortlich für den österreichischen Basketball auf Bundesebene. Von 2015 bis 2024 fungierte er als Vizepräsident des Österreichischen Basketballverbandes, war zwischen 2015 und 2022 Schiedsrichterreferent des Verbandes und übernahm 2024 darüber hinaus kurzzeitig interimistisch die Funktion des Präsidenten. Die Vielzahl oberösterreichischer Funktionärinnen und Funktionäre in verantwortungsvollen Positionen verdeutlicht eindrucksvoll, dass Oberösterreich seit Jahrzehnten nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch und strukturell zu den tragenden Säulen des österreichischen Basketballs zählt.
70 Jahre Leidenschaft für Basketball
70 Jahre nach der Gründung präsentiert sich der Oberösterreichische Basketballverband als wichtiger Eckpfeiler des österreichischen Basketballs. Zahlreiche Vereine, Ehrenamtliche, Funktionär:innen, Coaches, Schiedsrichter:innen und Spieler:innen haben in diesen sieben Jahrzehnten dazu beigetragen, den Basketballsport in Oberösterreich nachhaltig zu entwickeln.
Der Österreichische Basketballverband bedankt sich für die langjährige Zusammenarbeit und gratuliert dem Oberösterreichischen Basketballverband herzlich zu seinem 70-jährigen Jubiläum.
Auf die nächsten erfolgreichen Jahrzehnte im Zeichen des Basketballsports.