Meldung vom 30.08.2026
Enis Murati, ehemaliger MVP und vierfacher Meister der win2day BSL und mit fünf großen Titeln erfolgreichster heimischer 3x3-Spieler aller Zeiten, wurde am Sonntag im Rahmen des Basketball-Länderspiels gegen Nordmazedonien in die "Basketball-Pension" verabschiedet. Wenige Tage zuvor beendete die Vereinslegende der Raiffeisen Swans Gmunden – in seiner Heimatstadt gewann der 42-fache Nationalspieler in 15 Jahren als Aktiver insgesamt zwölf Titel – planmäßig seine Laufbahn. Für den 38-Jährigen, der auch beim BC Vienna (2021 bis 2023), im belgischen Leuven (2016/17) und seit 2023 beim 3x3-Team Vienna unter Vertrag stand, schließt sich beim nunmehrigen Umstieg ins Berufsleben ein Kreis, übernimmt er am Gymnasium Gmunden doch die Position seines ehemaligen "Ziehvaters" Walter Janisch, der den gebürtigen Kosovaren bei seiner Ankunft in Österreich bei sich aufgenommen und zum organisierten Basketball gebracht hatte.
"Dieser Schritt war lange geplant, aber so ganz realisiert habe ich ihn noch nicht. Es müssen wohl noch ein paar Wochen vergehen, bis ich verstanden habe, dass es jetzt wirklich vorbei ist", sagte Murati im Rahmen seiner Verabschiedung vor 1.100 Fans beim EM-Qualifikationsspiels Österreich gegen Nordmazedonien am Sonntag in der Sport Arena Wien.
Noch in der Vorwoche stand der 38-Jährige bei einem wichtigen Quest-Turnier in Antwerpen mit seinen 3x3-Kollegen Fabio Söhnel, Toni Blazan und Nico Kaltenbrunner am Court – und musste sich erst im Finale den Weltranglisten-Ersten aus Serbien geschlagen geben.
"Ich fühle mich körperlich topfit und hätte es sicher noch ein paar Jahre ausreizen können. Aber ich habe zwei Kinder, mit denen ich aktiv und gesund Zeit verbringen möchte. Zudem bot sich mir die Chance, mir ein berufliches Standbein aufzubauen. Es ist der richtige Zeitpunkt, aufzuhören", so Murati.
"Sommermärchen" folgte auf bitterste Niederlage
Zumal es sicher nicht die Niederlage gegen die serbischen Superstars um Strahinja Stojacic ist, die von Muratis rund 20-jähriger Profi-Karriere bleibt. 2024 auf der Wiener Kaiserwiese erlebte er im ÖBV-Teamtrikot mit dem Final-Sieg über Serbien bei der 3x3-Europameisterschaft eine historische Sternstunde. "Das war der vielleicht schönste Moment meiner Karriere. Zuhause Europameister zu werden, mit meiner Mutter, meiner Frau und meinen Kindern auf der Tribüne, das ist mit nichts zu vergleichen."
Das "Sommermärchen" kam für den gebürtigen Kosovaren, der 2013 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, wenige Monate nach dem wohl größten Tiefpunkt seiner Basketball-Laufbahn. Im Frühjahr 2024 verpasste das in der Weltrangliste auf den vordersten Positionen liegende 3x3-Nationalteam bei zwei Anläufen die Olympia-Qualifikation für Paris 2024 jeweils hauchdünn. "Ich war am Boden zerstört, habe ans Aufhören gedacht", so Murati, dessen Traum von Olympia, der 2023 der Grund für den Umstieg zum 3x3, damit geplatzt war. "Wir hatten so viel investiert und dem großen Ziel alles untergeordnet."
Fünf Titel: Erfolgreichster heimischer 3x3-Spieler
Trotz der Enttäuschung avancierte der Oberösterreicher in seinen drei Jahren auf dem Half-Court zum erfolgreichsten 3x3-Spieler der heimischen Basketball-Geschichte. Mit Ausnahme des Masters-Titels 2022 in Paris, als Murati noch aktiv 5-gegen-5 spielte, war Murati bei allen großen Titeln des Team Vienna und des ÖBV-Nationalteams dabei. Neben EM-Gold 2024 bleibt sein Buzzer-Beater im 100. Masters-Finale des FIBA-3x3-Bewerbs in Amsterdam (2023) unvergessen. "Ich war damals ein paar Wochen dabei und wusste gar nicht wie mir geschieht." Es folgten die Masters-Titel in Almaty und Wuxi (beide 2024) und im Vorjahr noch jener in Debrecen.
"Ich fühle mich geehrt, so oft Teil des Teams gewesen zu sein. Die Titel sind der verdiente Lohn für alles, was meine Familie und ich für den 3x3-Sport in den vergangenen drei Jahren geopfert haben", erinnert der 1,94m-Mann an monatelange Trainingscamps in Serbien und unzählige Turnier-Reisen nach Asien. "Der 3x3-Rhythmus ist brutal."
Zwölf Titel mit seinem Heimverein: "Gmunden ist mein Zuhause"
Große Titel waren Murati aber schon in seiner Zeit auf dem Parkett nicht fremd. Gleich in seiner ersten Saison in Österreich holte der damals 19-Jährige mit den Raiffeisen Swans Gmunden den Meistertitel in der Basketball Superliga. Insgesamt 15 Saisonen lang trug der Gmundner das Trikot seines Heimvereins, gewann drei Meisterschaften (2007, 2010, 2021) sowie vier Cup- (2008, 2010, 2011, 2012) und fünf Supercup-Titel (2007, 2008, 2010, 2011, 2021). "Das waren meine prägendsten Jahre. Ich habe für den Verein und die Stadt alles gegeben, genauso haben sie mir alles gegeben. In Gmunden habe ich meine Frau kennengelernt, hier sind meine Kinder zur Welt gekommen – das ist mein Zuhause", unterstreicht Murati, der auf dem Traunsee zur Identifikationsfigur wurde.
Ab 2014 geigte der Flügelspieler dann auch im Jersey des ÖBV-Nationalteams. Insgesamt brachte er es auf 42 Länderspiele in rot-weiß-rot. "Der Verband und das Nationalteam haben uns Spielern eine Plattform geboten, uns für ein Auslands-Engagement zu empfehlen", zeigte sich Murati, der in der Saison 2016/17 dann auch einen Abstecher zu den Leuven Bears wagte, dankbar. "Das Jahr in Belgien war eine tolle Erfahrung, ich bin sehr froh, dass ich das erleben konnte." Davon profitierten dann bei seiner Rückkehr nach Österreich wieder die Swans. Murati dominierte die Liga, wurde 2021 – bei seinem letzten Meistertitel in blau-weiß – mit durchschnittlich 18,9 Punkten, 4,5 Rebounds sowie 2,6 Assists auch zum MVP gewählt. "Diese Saison war die Krönung. Ich habe immer gesagt, dass ich nicht gehe, ehe wir noch einmal Meister werden."
Nach dem erfüllten Versprechen klopfte 2021 schließlich der BC Vienna an. Mit dem neu verpflichteten ÖBV-Team-Trio Jozo Rados, Bogic Vujosevic und eben Enis Murati gewannen die Wiener 2022 den Meistertitel und wurden 2023 Vize-Meister – ausgerechnet hinter den Swans. "Es war eine wunderschöne Zeit. Auf so einem Niveau zu trainieren, so einen Trainer zu haben und zu sehen, welche Vision Stjepan und Petar (Stazic, Anm.) für dieses Projekt hatten, war einmalig."
"Ich wollte immer gewinnen"
Nach der verlorenen Final-Serie 2023 besuchte Murati mit Teamkollegen dann als Fan die 3x3-WM auf dem Wiener Rathausplatz – ohne Erwartungen. "Ich dachte nur: Was ist denn hier los? Diese Kulisse, diese Atmosphäre, diese Dynamik – ich habe mich sofort in 3x3 verliebt." Kurz darauf folgte der Anruf des damaligen Verbandspräsidenten und besiegelte somit die letzte Karrierestation des Erfolgsgaranten.
"Jeder Spieler stellt sich den Umstieg auf 3x3 extrem leicht vor, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich habe fast ein Jahr gebraucht, bis mein Spiel wirklich nach 3x3 ausgesehen hat", gibt Murati zu. Ein Startvorteil bestand jedoch. "Ich brachte viel Erfahrung mit und wusste aus dem 5-gegen-5 bereits, wie man in entscheidenden Momenten die Ruhe bewahrt, die richtigen Entscheidungen trifft und gewinnt", so der Routinier.
"Ich habe die Sieger-Mentalität in mir. Ich wollte immer gewinnen, das war mir wichtig. Ich hatte aber sicherlich mehr Niederlagen als Siege, daraus habe ich immer meine Lektionen gelernt, um noch besser zu werden." Die fünf Titel mit dem 3x3-Team, jener mit dem BC Vienna und vor allem die zwölf mit den Swans kamen jedoch nicht von ungefähr. "Ich habe vom ersten bis zum letzten Tag immer hart trainiert."
Abseits der Erfolge bleiben "sehr viele positive Erinnerungen, viele Freundschaften und vor allem die Erlebnisse außerhalb des Courts. Das ist viel wichtiger als die Erfolge. Der Sport hat mir viel geschenkt."
"Professor Murati" auf den Spuren seines "Ziehvaters"
Auf sportliche Erfolge muss der studierte Sport- und Biologie-Lehrer auch in seinem nunmehrigen Beruf möglicherweise nicht verzichten. Seit Februar ist Murati Teil des Lehrerteams am Gymnasium Gmunden, verantwortet unter der Leitung von Direktor Rainer Leitner die traditionsreiche Basketball-Klasse. Mit "seinen" Burschen gewann er im Frühjahr auf Anhieb den Bundesmeistertitel im Schulcup. In wenigen Tagen beginnt "Professor Muratis" erstes volles Schuljahr als Lehrer. "Ich bin Direktor Leitner sehr dankbar, dass er mir die Chance gegeben hat, in meiner Heimatstadt in den Lehrberuf einzugsteigen. Die Schule hat eine große Basketball-Tradition", so der nunmehrige Pädagoge, der einen "Full-Circle-Moment" erlebt. Bis vor einigen Jahren hatte nämlich ausgerechnet der mittlerweile pensionierte Walter Janisch, der Murati bei dessen Ankunft in Österreich trainierte und begleitete, die Stelle inne.
Was seine Schüler über den Basketballer Enis Murati wissen müssen? "Enis Murati war ein guter Basketballer, der mit nichts als dem Traum begann, einer der besten Basketballer zu werden. Er wollte immer ganz oben stehen und hat dafür sehr viel geopfert." Und was möchte er seinen Schüler unbedingt vermitteln? "Ihr bekommt im Sport und im Leben nichts geschenkt, aber durch harte Arbeit eröffnen sich Möglichkeiten. Ihr seid selbst dafür verantwortlich, das Beste aus ihnen zu machen."