Meldung vom 05.11.2026
Bis zum Sommer war Simone Schwarzinger noch ein ganz großer Teil der win2day Basketball Damen Superliga, dann hat die langjährige Spielerin von UBI Holding Graz ihrer Karriere ein Ende gesetzt. Nach dem ersten Drittel des Grunddurchgangs haben wir sie gebeten, die bisherigen Leistungen der Teams einzuordnen und einen Blick auf die weitere Saison zu werfen. Das hat sie auch getan – und gleich klargestellt: „So unberechenbar war die Liga noch nie!“
Simone, wie fällt dein Zwischenfazit nach dem ersten Drittel im Grunddurchgang aus?
Ich kann mich nicht erinnern, dass die Liga schon einmal so unberechenbar war wie dieses Jahr. Viele Teams sind sehr nah beieinander, und es waren schon einige Überraschungen dabei. Das Niveau ist hoch, und die vermehrten Verpflichtungen von Profis sind eine riesige Aufwertung für die Liga, vor allem nachdem diesen Sommer einige junge, starke Spielerinnen den Weg aufs College in die USA gegangen sind.
Ein „Durchmarsch" – wie in der Vorsaison – von Klosterneuburg ist aktuell nicht zu erwarten. Wie wichtig ist die neue Ausgeglichenheit für die Attraktivität und auch Entwicklung der Liga?
Ich glaube, die neu gewonnene Ausgeglichenheit ist eine große Chance für den Verband, die Damenliga populärer zu machen. Dieses Jahr sind einige Teams gefährlich, und der Kampf um eine gute Playoff-Platzierung wird deutlich interessanter. Am Ende könnten einige Teams den Titel holen, was auch für die Zuseher:innen eine ganz andere Spannung bedeutet.
In der jüngeren Vergangenheit der win2day Basketball Superliga gab es oft sehr hohe Niveauunterschiede und Teams, die nicht wirklich schlagbar waren, wie z. B. die Ära der Flying Foxes Post, BK Duchess oder das eine Jahr mit SKN St. Pölten. Das war für die Fans der Liga nicht immer spannend anzusehen und für die Spielerinnen selbst auch oft frustrierend – da spreche ich als „ewige Zweite" aus Erfahrung.
Welches Team hat dich in den ersten sieben Runden am meisten beeindruckt und überrascht – und warum?
Einerseits natürlich der DBB Wels: Die Oberösterreicherinnen habe ich schon stark eingestuft, aber das 7:0 in der ersten Runde war sehr dominant. Andererseits hat mich Vienna United beeindruckt. Obwohl sie sehr viele Abgänge im Sommer zu verzeichnen hatten und mit einem extrem jungen Team antreten, haben sie von ihren sieben Spielen nur drei mit über zwölf Punkten Differenz verloren. Ich hoffe, sie können sich dieses Jahr des Öfteren auch mit einem Sieg belohnen.
Was macht die ungeschlagenen Tabellenführerinnen aus Wels aktuell so stark?
Wels hat eine gute Mischung: Einerseits gutes Scouting, die Profis passen sehr gut zum Spielstil und liefern mit einer sehr starken Anna Alborova viel Erfahrung für ein sonst eher junges Team. Aber auch die jungen Eigenbauspielerinnen zeigen dieses Jahr groß auf und übernehmen viel Verantwortung in knappen Spielen. Dazu kommt noch ein Coach, der weiß, wie er seine Spielerinnen einsetzt und das Beste aus ihnen rausholt. Was sie aber meiner Meinung nach bis jetzt besonders macht: Sie spielten vom ersten Spiel weg mit viel Selbstvertrauen und einer gewissen Leichtigkeit. Wenn sie das so beibehalten können, sehe ich sie auf jeden Fall im Finale.
Aktuell setzt sich ein Quartett etwas ab – kristallisieren sich hier schon die Semifinal-Teilnehmerinnen heraus, oder traust du den anderen Teams in den weiteren 14 Runden noch zu, hier einzugreifen?
Ehrlicherweise: Wenn die Kader der aktuell ersten vier Teams in etwa so bleiben wie sie jetzt sind und von größerem Verletzungspech verschont bleiben, werden wir sehr wahrscheinlich diese vier Teams in den Playoffs sehen. Sowohl Timberwolves, neu verstärkt mit Sigi Koizar, als auch Danubz Linz als Newcomer haben starke Einzelspielerinnen und können vielleicht das eine oder andere Mal überraschen – die Playoffs traue ich ihnen aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu.
Die Newcomerinnen aus Linz haben gut begonnen, straucheln aktuell aber etwas – was ist hier noch zu erwarten?
Als ganz neu zusammengewürfeltes Team wird es etwas dauern, bis sie ihren Spielstil und ihren Rhythmus gefunden haben. Sie scoren viel über ihre Dreipunktewürfe und sind vor allem auf der Guard-Position gut besetzt. Wenn sich ihre Teamdefense verbessert, sind sie für mich jenes Team mit der größten Chance, einem der Top-Teams einen Sieg abzuknöpfen.
Welche Spielerin war für dich bislang die größte positive Überraschung?
Da gibt es einige, aber am meisten überrascht hat mich DBBs Import aus Spanien, Marina Laborda Martin. Sie bringt extrem viel Energie aufs Feld und ist defensiv in meinen Augen eine der Top-Spielerinnen der Liga. Auch offensiv hat sie mit 11,5 Punkten und sechs Assists einen erheblichen Anteil am Erfolg der Welserinnen.
Eine weitere Spielerin, die ich im Gegensatz zur letzten Saison stark verbessert finde, ist Kiki Kulesha aus Graz, die jetzt auch nach der Verletzung von Leistungsträgerin Simone Sill viel Verantwortung übernimmt und zurzeit ein Double-Double ‚averaged‘.
Welche österreichischen Prospects haben sich bislang ins Rampenlicht gespielt – und warum?
Sophia Kuranovic und Sophie Kunert performen trotz ihres jungen Alters jetzt schon die 2. Saison sehr stark und haben sich damit auch in den Kader des österreichischen Damennationalteams gespielt. Emma Kress ist für mich auch eine Zukunftshoffnung auf der Guard-Position, die bei der Nachwuchs-EM schon gezeigt hat, was sie kann, und das dieses Jahr auch bei Vienna United vermehrt unter Beweis stellt.