Meldung vom 07.05.2026
Dass heuer gleich drei der prestigeträchtigsten Auszeichnungen nach Kapfenberg gehen, kommt nicht überraschend. Die Bulls spielten ihre stärkste reguläre Saison seit Jahren, gewannen erstmals seit 2018/19 die Platzierungsrunde und zogen mit einem klaren 3:0 gegen Traiskirchen souverän ins Halbfinale ein. Dazu erreichten die Steirer das Cupfinale und etablierten sich über Monate als konstantestes Team der Liga.
Der MVP-Titel geht an Andrew Jones – und damit an den offensiven Motor der Bulls. Der Guard war mit 20,27 Punkten pro Spiel einer der dominantesten Scorer der Liga, dazu kamen 5,21 Rebounds und 3,39 Assists.
Vor allem in engen Spielen übernahm Jones ein ums andere Mal Verantwortung und führte Kapfenberg mit seiner Ruhe und Qualität durch entscheidende Phasen. Persönliche Auszeichnungen stellte der 28-Jährige dabei stets hinter den Teamerfolg. „Individuelle Awards sind cool, aber das Hauptziel ist es, um eine Meisterschaft zu spielen“, sagte Jones noch Anfang März.

Dass der ehemalige Texas-Guard überhaupt wieder auf diesem Niveau Basketball spielt, ist bemerkenswert: Während seiner College-Zeit erkrankte Jones an Leukämie und kämpfte sich danach zurück in den Profisport. Seine Geschichte machte ihn weit über Kapfenberg hinaus zu einem Publikumsliebling.
Artamonov formte aus den Bulls wieder ein Spitzenteam
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung unter Headcoach Klym Artamonov. Der erst 32-jährige Ukrainer übernahm Kapfenberg Ende 2024 als Cheftrainer und führte den Traditionsklub innerhalb kurzer Zeit zurück an die Ligaspitze. Der Bulls-Basketball 2025/26 steht für Tempo, Physis und klare Rollenverteilung.
„Dieses Team hat eine Identität. Jeder macht das Beste aus seiner Rolle. Niemand versucht, etwas zu sein, was er nicht ist“, sagte Artamonov bereits im Jänner im Gespräch mit Basketball Austria. Tatsächlich war genau dieser mannschaftliche Zusammenhalt bisher eine der größten Stärken der Bulls.
Der Coach-of-the-Year-Titel ist gleichzeitig ein Signal für Kontinuität: Erst vor wenigen Wochen verlängerte Artamonov seinen Vertrag langfristig bis 2028. Für die Bulls hatte diese Verlängerung oberste Priorität – und wohl auch ligaweit Signalwirkung.
Langfristige Pläne auch mit defensivem Anker
Mit Taye Fields geht auch der Titel als bester Verteidiger der Liga nach Kapfenberg. Der US-Amerikaner entwickelte sich in seiner ersten Saison sofort zu einem der wichtigsten Spieler der Bulls und war defensiv praktisch jede Nacht der Anker des Teams.
12,25 Punkte, 7,16 Rebounds und 3,53 Assists pro Spiel spiegeln dabei nur einen Teil seines Einflusses wider. Durchschnittlich 1,47 Steals und 0,62 Blocks runden das Profil des Allrounders zusätzlich ab. Vor allem seine Switch-Fähigkeit und körperbetonte Spielweise machten Fields zu einem der komplettesten Defensivspieler der Liga. Nicht zufällig bezeichneten ihn die Bulls bei seiner Vertragsverlängerung selbst als „besten Verteidiger der Liga“.

Auch Fields bleibt Kapfenberg erhalten und verlängerte bereits während der laufenden Saison seinen Vertrag – ein weiterer Hinweis darauf, dass die Bulls ihren aktuellen Kern langfristig zusammenhalten wollen.
Warten hat ein Ende
Die Auszeichnungen werden am Donnerstag im Rahmen des Halbfinalauftakts gegen den UBSC Raiffeisen Graz überreicht. Für die erfolgsverwöhnten Bulls endet damit eine – für Kapfenberger Verhältnisse – ungewöhnlich lange Award-Flaute. Zuletzt stellten die Bulls in der Saison 2013/14 mit Mark Sanchez den MVP der Liga, Martin Kohlmaier wurde damals zusätzlich als bester österreichischer Spieler ausgezeichnet. Michael Schrittwieser erhielt 2016/17 die Auszeichnung als Coach of the Year, Marck Coffin wurde 2017/18 zum Defensive Player of the Year gewählt. Dazu kamen zwischen 2016 und 2022 mehrere Finals-MVP-Trophäen für Bogic Vujosevic und Elijah Wilson nach Kapfenberg.
Diese Jahre waren zugleich von Titeln geprägt – ein Ziel, das sich die Steirer auch heuer gesetzt haben. Dafür muss nun zunächst Graz bezwungen werden. Kapfenberg gewann vier der fünf Saisonduelle gegen den Lokalrivalen, die jüngste Begegnung ging allerdings klar an die Landeshauptstädter. Die Bulls gehen dennoch mit viel Selbstvertrauen in die Serie. Oder wie Artamonov ankündigt: „Das Team hat eine gute Dynamik und wir wollen unseren Fans wieder eine Finalserie bieten.“